14. Sitzung (27.4.2018)

Wir haben das Austauschkapitel fertig besprochen und folgende Dinge festgehalten:

  • Das neue an dem Kapitel ist, dass nun die Menschen mit auf den Plan treten; vorher haben die Waren alleine agiert. Zu beachten ist allerdings, dass die Menschen nicht als Menschen auftreten, sondern als Personen – und das ist etwas sehr anderes: Die Person ist eine Kategorie des modernen, bürgerlichen Rechts, sie ist gewissermaßen gleichzeitig mit dem Kapitalismus entstanden.
  • Die Personen gehen Willensverhältnisse ein (sie handeln also; sie wollen andere Waren haben und eigene verkaufen), aber auch hier ist etwas zu beachten: der INHALT dieses Verhältnisses ist determiniert, d.h. bestimmt – die Personen können also nicht frei entscheiden, was sie machen, sondern das ökonomische Verhältnis gibt vor, was prinzipiell zu tun ist: austauschen.
  • Marx benutzt Metaphern aus der Theaterwelt: Personifikation, Charaktermasken, überhaupt auch “Person” kommt aus dem Griechischen und heißt Maske. Folgendes Bild kam auf: In den vorherigen Kapiteln wurden alle gebrauchten Darsteller gecastet – die Waren. Die treten nun mit ihren Anhängseln – den Personen/Privateigentümern – auf die Bühne und versuchen sich auszutauschen. Regie und Drehbuch sind vorgegeben durch die Rechtsverhältnisse. Bemerkenswert ist: Den Personen ist gar nicht klar, dass sie auf der Bühne stehen.
  • Festzuhalten ist (man kann es nicht oft genug betonen): Geld ist eine Ware, Geld ist nicht einfach Zeichen (ja, der Papierschein ist Zeichen, aber er muss sich real auf eine Geldware beziehen). Der Wert der Geldware ist so wie bei allen Waren über die Arbeitskraft bestimmt.
  • Marx äußert hier eindeutig, dass der Wert nicht im Austausch entsteht, sondern dass die Ware im Austausch nur ihre WertFORM erhält (das widerspricht der Neuen Marxlektüre, die aber durchaus auch “Gegenzitate” finden kann).
  • Marx deutet in Fußnote 47 an, dass Geld nicht schon immer Geld war. Das behandeln wir bald anhand von Sekundärliteratur (Geld ohne Wert von Robert Kurz, Kapitel 4,5,6)

Danach ging es weiter mit dem neuen

Kapitel 3: Das Geld oder die Warenzirkulation

  • Ein paar Gedanken zur Fußnote: Marx wendet sich gegen die naive Vorstellung, dass man warenförmig produzieren könne (über Arbeitszeitvergleich), ohne dass die so produzierte Waren dann auszutauschen. Entscheidend ist, dass es Warenproduktion nur gibt, weil es den “Austausch” (richtiger: die Realisationssphäre) gibt und umgekehrt. Das eine gibt’s nicht ohne das andere. Außerdem ist der Austauschprozess/Realisationsprozess NOTWENDIG von Konkurrenz geprägt. Nur VOR dem Tausch kann gemessen werden (die Arbeitszeit), aber erst IM Tausch realisiert sich der Wert
  • Auf welcher Ebene befinden wir uns hier eigentlich? Wichtig: Wir reden noch nicht über Geld als GELD, also als Kapital, sondern: Es geht immer noch um die GeldWARE. Marx beweist immer noch, dass Geld Ware ist.
  • Dies geschieht auf zwei Ebenen im Abschnitt über Geld als Maß der Werte und Geld als Maßstab der Preise: Dass Geld Maß der Werte ist, ist die VORAUSSETZUNG dafür, dass Geld dann auch als Maßstab der Preise funktionieren kann. Die reale Operation im Alltag (Geld als Maßstab der Preise) funktioniert nur, WEIL Geld wirklich Maß der Werte ist – und das ist es, weil es selbst Ware ist und Wert hat.
  • Um Geldform, Wertform und Preisform auseinanderhalten zu können hilft vielleicht folgendes
    • 20 Ellen LW = 2 Unzen Gold (von S. 84; es hieß noch nicht “= 5 Dollar” oder so!) Das ist die GELDFORM, die ein bisschen abstrakter so heißt:
    • 20 Ellen LW = x Geld (sobald hier nur x Geld steht, vergisst man vielleicht, dass Geld eigentlich was wirklich Materielles ist, nämlich Gold, s. erste Gleichung)
    • 20 Ellen LW = 10 Euro (das ist die PREISFORM; hier merkt man auf den ersten Blick dann nicht mehr, dass es eigentlich eine ganz materielle Geldware ist!)+
  • Auf S. 113 kann man gut die beiden Funktionen von Geld gegenüberstellen
  • Geld als Maß der Werte Geld als Maßstab der Preise
    – … stellt Material des Wertausdrucks

    – … ist Inkarnation verausgabter Arbeitskraft

    – … verwandelt die Werte der bunt verschiedenen Waren in Preise, in vorgestellte Goldquanta

    – am MdW messen sich die Waren als Werte

     

    – klappt nur, weil es Arbeitsprodukt und damit von veränderlichem Wert ist

    – Wertwechsel beeinträchtigt nicht die Funktion

     

    – … ist festgesetztes Metallgewicht

     

    – … misst diese Goldquanta

     

    – der MdP misst Goldquantum an einem Goldquantum

    – klappt nur, weil das Goldgewicht als Maßeinheit fixiert wird (Festigkeit entscheidend)

    – Wechsel der Werts egal

Vorbereitung 15. Sitzung 4.5.2018

Zu lesen ist idealerweise der Abschnitt 2. Zirkulationsmittel (S. 118-143).

Als Sekundärliteratur könnte man Wolfgang Fritz Haug empfehlen: Neue Vorlesungen zur Einführung ins Kapital (Argument Verlag 2006), darin die 16. und 17. Vorlesung.

Weiterhin Raum 320

Vorbereitung 14. Sitzung (27.04.2018)

1. Stunde: Austauschkapitel beenden
Mir wäre es lieb, wenn nicht ich Fragen formulieren müsste, sondern:
– wenn ihr nen Vorschlag habt, was die zwei, drei zentralen Erkenntnisse
vom letzten Mal zum Austauschkapitel waren (mit Textbezug)
– wenn ihr klar sagt: diesen oder jenen Abschnitt von den ausstehenden
Seiten möchte ich gemeinsam lesen und besprechen (weil ich ihn nicht
verstanden habe/weil ich ihn für zentral halte etc.)
– wenn ihr überlegt: das muss man sich behalten über dieses Kapitel/das
muss ich nachher meiner Mitbewohnerin zum Austauschkapitel erzählen.

2. Stunde: Das Geldkapitel beginnen (wir schaffen maximal ‘1.Maß der
Werte’ 109-118)

Wenn ihr verwirrt seid von Pfund und Shilling und Unzen etc. bitte
schaut auf S. 924/925 (nicht, dass es mir wahnsinnig helfen würde)

Weil ich den Text recht schwierig finde, schlage ich euch folgende
Texteinteilung vor:
Vorab: worum gehts eigentlich? Es geht darum, wie die drei Sachverhalte
WERTform, GELDform und PREISform zusammenhängen. Damit geht es also um den Zusammenhang von Wert, Geld und Preis. Mit Wert kennen wir uns immerhin ja schon ganz gut aus.

I. S. 109-110
Im Grunde ist das eine Rekapitulation der Wertformanalyse, ihr müsstet
also alles easypeasy verstehen:-)
Frage: Wie hängen Geld und Waren jetzt nochmal miteinander zusammen?
Warum so und nicht umgekehrt?
Macht euch nochmal klar, wie GENAU die Gleichung auf S. 84 lautet (das
war D, also die Geldform) – noch n Tipp: warum steht da Gold und nicht
Geld geschweige denn “10 Mark”?

II. S. 110 “Der Preis” bis 111 “vorgestellt”
– vorgestelltes Geld versus reelles Geldmaterial – was soll die
Gegenüberstellung? Habt ihr mal n Beispiel?
– Quizfrage: Wodurch wird der Wert der Geldware bestimmt?

III. S. 111-Ende 112
locker drüberlesen und nicht verwirren lassen, oder einfach überspringen

IV. 113 oben bis 114 Mitte “usw.”
– zentraler Satz zum Verhältnis von “Maß der Werte” und “Maßstab der
Preise”
– Was macht das mit den beiden Funktionen von Geld, wenn der Wert des Goldes wechselt?
– 114: wovon ist Fallen und Steigen der Preise abhängig? Wenn ihr das
verwirrend findet, schreibt euch die Gleichungen mal untereinander auf:
Preis steigt, wenn (zweimal) bzw. Preis sinkt, wenn (auch zwei
Szenarien).

V. 114 unten – 116 oben
locker drüberlesen und nicht verwirren lassen, oder einfach überspringen

VI. 116 oben bis 118
– Wie hängen Wert und Preis miteinander zusammen?

Vorbereitung 13.Sitzung (20.04.2018)

Wir lesen und diskutieren das Kapitel ‘Der Austauschprozess’ (S.99-108)

Hier zur Unterstützung ein paar Fragen an den Text, die wir dann zunächst in Kleingruppen und anschließend im Plenum diskutieren werden:

– Wie stehen Rechtsverhältnis, Willensverhältnis und ökonomisches Verhältnis in Zusammenhang?
– Was sind ökonomische Charaktermasken?
– Worin besteht der Doppelcharakter des Austauschs?
– Warum und wie verdoppelt sich die Ware in Ware und Geld?
(- Wie stellt sich laut Marx die historische Genese der Geldform und der Geldware dar?)
– Worin bestehen die zwei Irrtümer bzgl. der Geldware?
– Wie bestimmt sich die Wertgröße der Geldware?
– Worin besteht der Geldfetisch?