Hier stellen wir die Inputs hoch, die wir gelegentlich für die Sitzungen vorbereiten – aktuelle zuerst:
Zusammenfassungssitzung Inputs von Teilnehmenden
4. Der Fetischcharakter der Ware
5.Sitzung 02.02.18
Der Argumentationsgang und die Begriffsentwicklung im 1.Kapitel Die Ware: von Ding zum GW zum TW zum Wert

In den Vorlesungen zur Einführung ins Kapital von W.F. Haug (1974, aber es gibt auch neuere Auflagen), vollzieht Haug den Gang der Argumentation auf den ersten Seiten des Kapital ausführlichst nach. Laut Haug läuft das so:
Marx beginnt mit der Ware und sagt im berühmten ersten Satz, dass der Reichtum der kapitalistischen Gesellschaft als etwas erscheint, nämlich als Warenhaufen. Es gibt hier also eine Erscheinung, und wo eine Erscheinung ist, ist ein Wesen nicht weit. Wir sind also vorgewarnt: Augen offen halten nach dem Wesen hinter den Dingen. Der Gang der Argumentation folgt also der Aufgabe: Finde das Wesen der Ware.
Marx nimmt die Ware auseinander. Die ist erstmal ein nützliches Ding, da ist nix vertracktes dran. Neben dem Gebrauchswert (eigentlich die ganz banale Nützlichkeit) hat die Ware aber noch eine zweite Seite, nämlich den Tauschwert. Tauschwert ist schon deutlich komplizierter, der erschließt sich nämlich nicht einfach so wie die Nützlichkeit eines EINZELNEN Dings, sondern nur über den Tausch von ZWEI Tauschwerten. Deshalb muss Marx einen Schlenker machen, einen Umweg über ZWEI GebrauchswertE, die sich tauschen. Und die tauschen sich, weil sie Tauschwert haben.
Wieso können die das? Das ist nur möglich, weil sie ein gemeinsames Drittes haben – also auch hier wieder: etwas das hinter den unmittelbar sichtbaren Erscheinungen liegt. Marx leitet weiter her: Das gemeinsame Dritte liegt darin, dass sie Produkte menschlicher Arbeitsprodukte sind und er macht’s genauer: Sie sind Produkte abstrakter Arbeit. Es ist diese Form der Arbeit, die die Substanz des Werts bildet. Der Endpunkt ist erreicht: der Wert. Der Kreis schließt sich hier: Denn der Reichtum der kapitalistischen Gesellschaft ist wesentlich abstrakter Recihtum, Wert. Dies ist das Wesen, dessen Erscheinungsform die Ware ist.
Das ist total verkürzt, aber wer’s ausführlich haben will, muss es bei Haug nachlesen, das lohnt sich auch.
3.Sitzung 19.01.18
Das Darstellungsproblem | philosophiegeschichtlicher Hintergrund von Hegel zu Marx
Vorab: Na klar, ist das verkürzt und Promovierende der Philosphie könnten sich die Haare raufen, die brauchen aber diese Erklärungen nicht…
Im Vorwort schreibt Marx “Aller Anfang ist schwer”. Das klingt so banal so standard-blabla, man überliest es einfach. Jedoch steckt dahinter das sogenannte Darstellungsproblem, dass es in sich hat. Marx steht vor der Frage: Wenn ich die Gesellschaft als Ganzes mit ihren wesentlichen Aspekten richtig analysieren will, wie und wo soll ich denn da anfangen? Marx ist stark von Hegel beeinflusst und hält bei aller Abgrenzung von Hegel an zwei ganz zentralen Gedanken der Hegelschen Philosophie fest: Erstens ist die Gesellschaft als etwas Ganzes zu begreifen, sie stellt eine Totalität dar. Deshalb kann man nicht einfach nur irgendeinen Aspekt davon beschreiben, sondern man muss es schaffen das ganze Ding komplett mit allen wesentlichen Bestandteilen darzustellen, nichts darf fehlen und es muss klar rauskommen, dass alles, wirklich alles mit allem in Beziehung steht: Ware, Geld, Kapital, Arbeit etc.: man kann nicht eine Sache weglassen, alles steht in zwingender Beziehung zueinander. Zweitens stimmt Marx mit Hegel darüber überein, dass man das Wesentliche der Dinge oft nicht unmittelbar erkennen kann, dass es oft nicht direkt empirisch fassbar ist. Das heißt, es gibt einen Unterschied zwischen der Erscheinung von Dingen und dem Wesen der Dinge! Dem Wesen kommt man durch Denken auf die Spur, durch Abstraktion. In der kapitalistischen Gesellschaft (nicht nur da) erscheint uns z. B. das Geld, es ist eine Erscheinung von etwas – Marx versucht das Wesen dahinter, die gesellschaftlichen Verhältnisse die es hervorbringen zu ergründen, denn Geld fällt ja bekanntlich nicht vom Himmel.
Der Hintergrund von diesem Denken ist der unversöhnliche Streit zwischen dem deutschen Idealismus (Kant, Hegel) und dem englischen Empirismus (Locke, Hume, Hobbes) – letztlich hat der Empirismus gesiegt und ist die Denkschule, die die universitären Wissenschaften dominiert. Worum geht’s und warum ist das für uns wichtig? Das zentrale Ereignis für Hegel war die Französische Revolution: Endlich ist eine vernünftige Ordnung der Gesellschaft möglich, die Revolution verkündet den Siegeszug der Freiheit und Autonomie des Individuums. Endlich kann eine Art Einheit der zerrissenen Gesellschaft entstehen, das Prinzip der Vernunft kann sich endlich verwirklichen. Die Empiristen lehnen diesen Gedanken ab: Kein Gesetz der sogenannten Vernunft könne Anspruch auf Allgemeinheit erheben. Überhaupt, Allgemeinheit und Einheit, was soll das sein, das können wir in der empirischen Realität nicht finden; das sind Erdichtungen und nur das Besondere, das Einzelne ist anschaubar, analysierbar. Hegel sagt: Das ist eine inakzeptable Trennung von Denken und Sein, von Geist und Marterie, Subjekt und Objekt, Verstand und Sinnlichkeit. Die Empiristen watschen das ab: Ist doch alles bloße Metaphysik (also übersinnlich), nicht beweisbar, wir können uns nur an bestehende Tatsachen halten und nicht an etwas, das sein soll bzw. an etwas von dem jemand sagt, dass es vernünftig sei und sein soll. Das Problematische an diesem Gedanken ist – als plattes Beispiel – Wenn Gleichberechtigung NICHT besteht, also keine Tatsache ist, dann wird es abgewiesen, wenn jemand sagt: Aber das wäre doch vernünftig! Deshalb sagt Hegel: Wenn es den Menschen NICHT gelingt, durch Vernunft eine neue Einheit (Hegel findet den Staat dafür eine gute Idee, Marx nicht) herzustellen, dann unterwerfen sie ihre ganze Existenz den zwanghaften Prozessen dem status quo. Es muss daher ein Recht der Vernunft geben, die Wirklichkeit zu gestalten! Die Empiristen gehen mit Verstand an die Welt (das meint Hegel abschätzig), richtig aber ist es mit Vernunft an die Erkenntnis und Gestaltung der Welt zu gehen, denn: nur die Vernunft hat die Fähigkeit, Wahrheiten zu gewinnen, deren Gültigkeit nicht aus Erfahrungen (=Empirie, Methoden wie z. B. Umfragen, Experimente, Beobachtung) abgeleitet werden können UND diesen sogar entgegenstehen. Letztlich führt der Empirismus für Hegel zu Konformismus, Angepasstheit an das Gegebene.

Zusammenfassende Schlagworte sind: Auf der einen Seite (Empirismus, Positivismus) die Welt als Fülle getrennter Dinge, Autorität der Tatsachen, Beobachtung des Gegebenen, also eine positive Philosophie (“positiv” heißt “gegeben” –> eine Philosophie, die sich mit dem Gegebenen beschäftigt und begnügt). Auf der anderen Seite (Hegel, Idealismus) die Welt als Einheit, Totalität, Vernunft, Dialektik und – wichtig! – Möglichkeit, z. B. Kommunismus 😉
Um zu verstehen, wie Marx vorgeht, wie er diese Totalität der kapitalistischen Produktionsweise darstellt und versucht ihr Wesen zu ergründen (“was steckt hinter den Erscheinungen?”), ist es noch hilfreich, eine grobe Idee von der dialektischen Methode zu haben.
Dialektik von Hegel zu Marx
Dialektik ist keine Methode, die von ihrem Gegenstand, der kapitalistischen Gesellschaft zu isolieren ist. Sie ist durch diesen Gegenstand gegeben und kann nur an ihm nachvollzogen werden. Im Folgenden soll anhand mehrerer Begriffspaare eine Annäherung an Dialektik erfolgen und was dies für das Darstellungsproblem und die von Marx gewählte Darstellungsweise der kapitalistischen Gesellschaft bedeutet.

- Denken / Handeln: Hegel geht vom Denken, dem Bewusstsein aus. Die Geschichte ist die Entfaltung der absoluten Idee, des Weltgeistes. Hegel beginnt seine Logik beim “abstrakten Sein” und endet bei der “absoluten Idee”. Die Idee verwirklicht sich in der Natur, das dialektische Prinzip ist die universelle Struktur allen Seins als Bewegungsgesetz in der Natur. Für Marx hingegen ist das Bewusstsein “bewusstes Sein”, also der wirkliche Lebensprozess der Menschen, ihre Auseinandersetzung mit der Natur, ihre Produktionsverhältnisse. Letztere bilden für ihn den Ausgangspunkt auch des Denkens; das Denken reflektiert die Produktionsverhältnisse und ist ihnen eben nicht vorangestellt: zuerst tun die Menschen, dann denken sie (das wird uns noch viel beschäftigen, v. a. im Fetisch-Kapitel).
- Sein / Werden: Das vorherrschende Denken, der Positivismus, will die Dinge voneiannder isolieren und erkennt nicht ihren inneren Zusammenhang, wenn überhaupt dann noch ihre äußere Summierung (die Gesellschaft ist dann z. B. Summe ihrer einzelnen Subsysteme Politik, Wirtschaft, Recht, etc.). Für Hegel hingegen sind alle einzelnen Momente und Dinge immer Teil einer Totalität, des Ganzen. Will man ein “bestimmtes Sein”, ein Ding definieren, muss man es von allem anderen abgrenzen. Darin wird die Beziehung deutlich, die die einzelnen Momente, Dinge zum Ganzen haben. Die Momente, die Dinge entwickeln sich, sie kommen und vergehen. Ein Samen wächst zu einer Pflanze, die eine Knospe ausbildet, die eine Blüte wird und verwelkt und dann wieder einen Samen hervorbringt. Das Sein wird als Werden begriffen, es entsteht und vergeht.
- Moment / Ganzes (Totalität): Es gibt eine gesellschaftliche Totalität, ein gesellschaftliches Ganzes, dessen Momente nicht unabhängig von diesem verstanden werden können. Dialektisches Denken versucht dieses Ganze zu erfassen, das Ganze in seinen Momenten zu erkennen.
- ontologisch / historisch: Hegel macht ein allgemeines Prinzip aus, das sich in der Geschichte entfaltet, alles hervorbringt. Für ihn ist das dialektische Ganze quasi die Selbstbewegung des Denkens. Für Marx hingegen ist es die Selbstbewegung der Gesellschaft, womit es erstens historisch bestimmt und nicht transhistorisch (d. h. übergeschichtlich; für immer) ist und zweitens die konkrete historische gesellschaftliche Praxis der Menschen betont ist.
- Wirklichkeit / Möglichkeit: Der konkreten Wirklichkeit sind immer verschiedene Möglichkeiten immanent, die durch gesellschaftliche Tat verwirklicht werden könnten, z.B. würden es die aktuellen Produktivkräfte der Landwirtschaft erlauben 12 Mrd Menschen zu ernähren, stattdessen müssen immer noch Millionen Menschen (ver-)hungern.
- Erscheinung / Wesen: Das Wesen ist die Totalität des gesellschaftlichen Prozesses, wie er in einer bestimmten historischen Epoche organisiert ist. Die Erscheinungen sind die verschiedenen Formen, in denen das Wesen sich darstellt. Die Erscheinungen verbergen die sie bestimmenden zwischenmenschlichen Verhältnisse, sie verbergen ihren inneren Zusammenhang.
Wie nun aber die Wirklichkeit richtig erfassen und darstellen?
Das dialektische Ganze kann nicht als Ganzes dargestellt werden, da es dynamisch und in sich widersprüchlich ist und aus unendlich vielen Teilmomenten besteht, die nicht auf einen Punkt in einen Satz zu fixieren sind. Marx muss also irgendwo beginnen.
“Allerdings muß sich die Darstellungsweise formell von der Forschungsweise unterscheiden. Die Forschung hat den Stoff sich im Detail anzueignen, seine verschiednen Entwicklungsformen zu analysieren und deren innres Band aufzuspüren. Erst nachdem diese Arbeit vollbracht, kann die wirkliche Bewegung entsprechend dargestellt werden. Gelingt dies und spiegelt sich nun das Leben des Stoffs ideell wider, so mag es aussehn, als habe man es mit einer Konstruktion a priori zu tun. Meine dialektische Methode ist der Grundlage nach von der Hegelschen nicht nur verschieden, sondern ihr direktes Gegenteil. Für Hegel ist der Denkprozeß, den er sogar unter dem Namen Idee in ein selbständiges Subjekt verwandelt, der Demiurg des wirklichen, das nur seine äußere Erscheinung bildet. Bei mir ist umgekehrt das Ideelle nichts andres als das im Menschenkopf umgesetzte und übersetzte Materielle.” (MEW 23: 27)
In der Einleitung zu den ‘Grundrissen’ äußert er sich zu der Problematik des Anfangs wie folgt:
“Es scheint das richtige zu sein, mit dem Realen und Konkreten, der wirkliehen Voraussetzung zu beginnen, also z.B. in der Ökonomie mit der Bevölkerung, die die Grundlage und das Subjekt des ganzen gesellschaftlichen Produktionsakts ist. Indes zeigt sich dies bei näherer Betrachtung [als] falsch. Die Bevölkerung ist eine Abstraktion, wenn ich z.B. die Klassen, aus denen sie besteht, weglasse. Diese Klassen sind wieder ein leeres Wort, wenn ich die Elemente nicht kenne, auf denen sie beruhn. Z.B. Lohnarbeit, Kapital etc. Diese unterstellen Austausch, Teilung der Arbeit, Preise etc. Kapital z. B. ohne Lohnarbeit ist nichts, ohne Wert, Geld, Preis etc. Finge ich also mit der Bevölkerung an, so wäre das eine chaotische Vorstellung des Ganzen, und durch nähere Bestimmung würde ich analytisch immer mehr auf einfachere Begriffe kommen; von dem vorgestellten Konkreten auf immer dünnere Abstrakta, bis ich bei den einfachsten Bestimmungen angelangt wäre. Von da wäre nun die Reise wieder rückwärts anzutreten, bis ich endlich wieder bei der Bevölkerung anlangte, diesmal aber nicht als bei einer chaotischen Vorstellung eines Ganzen, sondern als einer reichen Totalität von vielen Bestimmungen und Beziehungen. Der erste Weg ist der, den die Ökonomie in ihrer Entstehung geschichtlich genommen hat. Die Ökonomen des 17. Jahrhunderts B. fangen immer mit dem lebendigen Ganzen, der Bevölkerung, der Nation, Staat, mehren Staaten etc., an; sie enden aber immer damit, daß sie durch Analyse einige bestimmende abstrakte, allgemeine Beziehungen, wie Teilung der Arbeit, Geld, Wert etc., herausfinden. Sobald diese einzelnen Momente mehr oder weniger fixiert und abstrahiert waren, begannen die ökonomischen Systeme, die von dem Einfachen, wie Arbeit, Teüung der Arbeit, Bedürfnis, Tauschwert, aufstiegen bis zum Staat, Austausch der Nationen und Weltmarkt. Das letztre ist offenbar die wissenschaftlich richtige Methode. Das Konkrete ist konkret, weil es die Zusammenfassung vieler Bestimmungen ist, also Einheit des Mannigfaltigen. Im Denken erscheint es daher als Prozeß der Zusammenfassung, als Resultat, nicht als Ausgangspunkt, obgleich es der wirkliche Ausgangspunkt und daher auch der Ausgangspunkt der Anschauung und der Vorstellung ist. Im ersten Weg wurde die volle Vorstellung zu abstrakter Bestimmung verflüchtigt; im zweiten führen die abstrakten Bestimmungen zur Reproduktion des Konkreten im Weg des Denkens. Hegel geriet daher auf die Illusion, das Reale als Resultat des sich in sich zusammenfassenden, in sich vertiefenden und aus sich selbst sich bewegenden Denkens zu fassen, während die Methode, vom Abstrakten zum Konkreten aufzusteigen, nur die Art für das Denken ist, sich das Konkrete anzueignen, es als ein geistig Konkretes zu reproduzieren. Keineswegs aber der Entstehungsprozeß des Konkreten selbst.” (MEW 42: 34)
1.Sitzung 05.01.18
Lesarten des Kapital
- traditionell-marxistische (Beispielhaft: Haug)
- Neue Marxlektüre (Beispielhaft: Heinrich)
- wertkritische (Beispielhaft: Kurz)
Aufbau des Kapital
- Band 1: Der Produktionsprozess des Kapitals
- Band 2: Der Zirkulationsprozess des Kapitals
- Band 3: Der Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion
Kontextualisierung von Marx Werk
- Durchsetzungsgeschichte des Kapitalismus reicht bis zurück ins Spätmittelalter 14./15.Jh. (umstritten!)
- ab Ende des 17.Jh. Manufakturen
- 1750 -1918 erste Industrielle Revolution
- Erfindungen: 1733 fliegendes Webschiffchen /1765 Dampfmaschine /1771 Baumwollspinnmaschine
- Hegel (1770-1831)
- 1776 Adam Smith: Wealth of Nations
- 1789 Französische Revolution
- 1817 David Ricardo: On the Principles of Political Economy and Taxation
- Politische Ökonomie war im 19. Jahrhundert die gebräuchlichste Bezeichnung für Wirtschaftswissenschaft, Nationalökonomie oder Volkswirtschaftslehre.
- bis Beginn 19.Jh war die Textilproduktion in England bereits zu Ansätzen eines industriellen Systems herangewachsen; in Deutschland kam der Anstoß zur Industrialisierung erst ab 1820
- Erfindungen: 1837 Telegraph /1839 Fotographie /1861 Telefon /1864 Kunstdünger /1876 Kühlschrank /1879 Glühbirne
- 1848 Deutsche ‘Revolution’
- ab 1850 Boom der Aktiengesellschaften
- 1871 Pariser Commune
- 1873 große Krise (Gründerkrach)
Karl Marx (1818-1883)
- ab 1836 Jura und Philosophiestudium an der Humboldt Universität in Berlin, Kreis der Junghegelianer / 1841 Promotion, akademische Laufbahn vom Staat verwehrt / 1842 Redakteur der Rheinischen Zeitung ein liberales bis radikal demokratisches Oppositionsorgan
- 1843 wegen Pressezensur nach Paris
- Marx wissenschaftliche Revolution: Idealismus (Hegel) geht vom Denken aus / Junghegilianer kritisieren: “anders als Hegel das behauptet, ist die Vernunft noch nicht verwirklicht”, aber Marx kritisiert an den Junghegelianern: “ihr seid bei der Kritik des Denkens stehengeblieben!” Marx selbst sagt stattdessen: “um Gesellschaft zu verstehen, ist es Quatsch vom Denken der Menschen (ihren Ideen über Gesellschaft) auszugehen. Das Denken selbst hat eine Grundlage – und zwar die Verhältnisse der Menschen zueinander, zur Natur, zu ihrer Tätigkeit”. Er analysiert also die Grundlage jeden Denkens (d. h. des bewussten Seins) und postuliert: ihr Sein, ihr wirklicher Lebensprozess ist die Auseinandersetzung mit der Natur; damit, wie, was und wozu die Menschen produzieren; mit ihren Produktionsverhältnissen, ihrer gesellschaftlichen Praxis, ihren konkret nützlichen Tätigkeiten –> diese Sachverhalte bedingen ihre Gedanken und ihr Denken über diese Prozesse. Die wissenschaftliche Revolution von Marx besteht im Grunde darin, dass er vom Tun der Menschen ausgeht, statt von ihren Gedanken und ihren Fiktionen über sich selbst und über die Gesellschaft.
- Das beinhaltet die zweite These über Feuerbach: „Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme – ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische In der Praxis muß der Mensch die Wahrheit, i. e. Wirklichkeit und Macht, Diesseitigkeit seines Denkens beweisen. Der Streit über die Wirklichkeit oder Nichtwirklichkeit des Denkens − das von der Praxis isoliert ist − ist eine rein scholastische Frage“
- Schriften in Paris:
- 1844 (posthum veröffentlicht 1932) Philosophisch-Ökonomische Manuskripte
- 1845 Die heilige Familie, oder Kritik der kritischen Kritik. Gegen Bruno Bauer & Consorten
- 1845 (1888) Thesen über Feuerbach
- 1846 (1932) Die Deutsche Ideologie (erst im 20. Jh. veröffentlicht)
- 1847 Das Elend der Philosophie (gegen den Anarchisten (umstritten!) Proudhon)
- 1848 Manifest der Kommunistischen Partei
- 1849 Exil in London:
- Studien der klassischen politischen Ökonomie (Smith, Ricardo, Say,…): Marx will keine weitere Theorie der politischen Ökonomie entwerfen, sondern die herrschenden VWL-Lehren kritisieren; methodisch bedient er sich bei Hegel. Ziel ist es, das Wesen hinter den Erscheinungen der Dinge (Geld, Ware, Arbeit, Kapital) zu erforschen: “alle Wissenschaft wäre überflüssig, wenn die Erscheinungsform und das Wesen der Dinge unmittelbar zusammenfielen“: Einer Ware wie z. B. einem Handy (Erscheinungsebene) sieht man nicht die gesellschaftlichen Verhältnisse/menschlichen Beziehungsweisen an, unter denen es entstanden ist und besteht (Wesensebene).
- Schriften in London:
- 1857-58 (1939-41) Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie
- 1859 Zur Kritik der politischen Ökonomie –> besteht aus zahlreichen Heften, die insgesamt die Vorarbeit zu den Kapitalbänden bilden
- 1862-62 (1905-1910) Theorien über den Mehrwert
- 1867 Das Kapital – Kritik der politischen Ökonomie Band 1
- Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von Band 1 (nach Krankheitsauszeit) sind die Manuskripte zu 2 und 3 schon “fertig”, zumindest im Sinne von “einigermaßen fertig gedacht”; 2 und 3 werden aber erst nach Marx Tod von Engels veröffentlicht (dazu kann man auch die Vorworte von Engels in Band 2 und 3 lesen, in denen er beschreibt, wie schwierig es war, Marx Manuskripte druckfertig zu machen…)
- 1885 Das Kapital Band 2
- 1894 Das Kapital Band 3
